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Sozial, nachhaltig und gesund

Immer mehr Unternehmen zählen auch Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung zu ihren Zielen. Das kann mit Strategien für Betriebliche Gesundheitsförderung verknüpft werden und ermöglicht Synergien.

In Zeiten zunehmenden Umweltbewusstseins und eines immer größer werdenden Mangels an Fachkräften legen immer mehr Unternehmen Wert darauf, nicht nur ihre ökonomischen Ziele zu verfolgen, sondern auch ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung gerecht zu werden sowie die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu fördern. Wenn die Unternehmensziele in Bezug auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung mit Strategien zur Betrieblichen Gesundheitsförderung verknüpft werden, lassen sich Synergien und in vielen Fällen auch wirtschaftliche Vorteile erzielen.

„Beide Ansätze sind rechtlich nicht verpflichtend, spielen in Großunternehmen und mittelständischen Betrieben jedoch zunehmend eine Rolle“, erklärt Eva Kuhn, Gesundheitsethikerin am Universitätsklinikum Bonn, die sich im Rahmen eines vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes unter anderem damit beschäftigt hat, wie Betriebliches Gesundheitsmanagement und Konzepte für Corporate Social Responsibility (CSR) aufeinander abgestimmt werden können. Letztere sollen nicht nur das soziale Engagement von Unternehmen fördern, sondern auch Umweltbelange adressieren und den Dialog mit unternehmensexternen Interessengruppen herstellen, erklärt die Expertin aus Deutschland, die auch darauf hinweist, dass das Thema Corporate Social Responsibility in den Unternehmen meist schon besser etabliert und bekannt sei. Daher sei es naheliegend mit dem Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement an die CSR anzuschließen und so die vorhandenen Synergien zu nutzen, und das könne auch bei der zunehmend schwierigeren Suche nach kompetenten Mitarbeitenden hilfreich sein: „Denn Erwerbstätige schauen zunehmend mehr darauf, was Unternehmen für die Gesundheit der Beschäftigten tun, und ob sie gute Voraussetzungen dafür schaffen, Beruf und Familie zu vereinbaren“.

BGF mit Zielen für Nachhaltigkeit verbinden

Das Mobilitätsmanagement von Unternehmen mit Fokus auf „Aktive Mobilität“ ist ebenfalls ein guter Ausgangspunkt, um Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) mit den anderen wichtigen Zielen von Firmen und anderen Organisationen zu verbinden. In diesem Fall sind es vor allem jene für Nachhaltigkeit. Als „Aktive Mobilität“ wird jede Form der Fortbewegung bezeichnet, bei der wir uns körperlich betätigen und unsere Muskeln zum Einsatz bringen, wie Gehen, Radeln, Rollern oder Skateboard fahren. Das hat vielfältige positive Auswirkungen auf die Gesundheit, die unter anderem in einem Report des Gesundheitsobservatoriums „Obsan“ zusammengefasst sind, das im Auftrag des Bundes und der Kantone der Schweiz tätig ist.

Darin wird etwa berichtet, dass das Risiko für Herzkreislaufkrankheiten und Diabetes Typ II im Vergleich zu inaktiven Menschen um 25 Prozent reduziert werden könne, wenn Menschen regelmäßig zügig zu Fuß gehen. Ebenso gebe es zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass Rad fahren die Fitness erhöhe und das Risiko vorzeitig zu versterben um 10 bis 30 Prozent verringern könne. Und dass Bewegung das psychische Wohlbefinden und die Lebenserwartung erhöhen sowie Übergewicht reduzieren könne, sei ebenfalls längst eindeutig nachgewiesen. Nicht zuletzt können aber auch die Umweltbelastung durch CO2, Luftschadstoffe und Feinstaub, der Verkehrslärm und die Zahl der Unfälle verringert werden, wenn Alltagswege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller erledigt werden.

„Das Thema Corporate Social Responsibility ist in Unternehmen meist schon besser etabliert als Betriebliches Gesundheitsmanagement.“
Eva Kuhn

„Unternehmen, die sich für Aktive Mobilität engagieren, positionieren sich dadurch auch ökologisch und nehmen ihre soziale Verantwortung wahr.“ Sandra Wegener 

Eine erfolgreiche Initiative

Der Fonds Gesundes Österreich, das nationale Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung in Österreich, hat deshalb von Anfang 2020 bis Ende 2022 in vier Betrieben, vier Gemeinden und zwei Kindergärten und Schulen erprobt, wie Aktive Mobilität in diesen Settings unterstützt werden kann.

„Aus Erhebungen ist bekannt, dass 50 Prozent der Arbeitswege, die in Österreich mit dem Auto zurückgelegt werden, kürzer als zehn und 30 Prozent sogar kürzer als fünf Kilometer sind“, betont Sandra Wegener, Senior Scientist an der Universität für Bodenkultur Wien, die für die wissenschaftliche Evaluation der Initiative zuständig war. Das Potenzial für Aktive Mobilität sei also speziell auch am täglichen Weg zur Arbeit groß.

Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren, um dieses in Betrieben und anderen Organisationen auch zu nutzen, zählten ein klares Bekenntnis der Führungskräfte zu dem Projekt sowie gutes Projektmanagement. Weitere wichtige Maßnahmen seien Aktionen und Kampagnen für Aktive Mobilität sowie Verbesserungen der entsprechenden Infrastruktur in Unternehmen, wie zum Beispiel überdachte Abstellanlagen für Fahrräder oder Radgaragen. Angebote für kostenlose Rad-Checks in den Betrieben seien eine weitere bewährte Möglichkeit, Aktive Mobilität zu bewerben und zu dieser zu motivieren. „Unternehmen, die sich für Aktive Mobilität engagieren, haben nicht nur gesündere Mitarbeitende, sondern positionieren sich auch ökologisch und nehmen ihre soziale Verantwortung wahr“, sagt Sandra Wegener zusammenfassend.

Kleine „Stupser“ mit großer Wirkung

„Ein ,Nudge‘ ist ein kleiner Stups, der den Weg hin zu gesünderen Entscheidungen erleichtern soll“, erklärt Diana Eichhorn, die bis Mitte 2022 als Referentin beim Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) für die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) tätig war. Das Prinzip von „Nudging“ könne im Betrieblichen Gesundheitsmanagement mitgedacht werden. Ziel sei es, die gesunde Entscheidung zur einfachen zu machen, denn im täglichen Arbeitshandeln träfen Beschäftigte laufend Entscheidungen für oder gegen ihre Sicherheit und Gesundheit. Ein konkretes Beispiel sei, das Treppenhaus attraktiv zu gestalten und mit spielerischen Anreizen zu versehen, um so die Mitarbeitenden zu mehr Bewegung während der Arbeitszeit anzuregen. Der „iga.Report 38 – Nudging im Unternehmen“, den Diana Eichhorn gemeinsam mit Ida Ott verfasst hat, beschreibt auf 58 Seiten, was beim Ausarbeiten von Nudges beachtet werden sollte. Er enthält viele Beispiele aus der Praxis und steht im Internet unter https://www.iga-info.de im Bereich „Veröffentlichungen“ zur Verfügung.

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