Fachforen – Donnerstag, 24. März 2022

15:15 – 16:30

 

PARALLELE FACHFOREN | Session 1

FF 1.5

Innovative Ansätze für spezifische Settings und Zielgruppen

Neues Normal, neue Arbeit, neue Ideen? Wie klappt BGF im Co-Working?

Dr. Joana Breidenbach, Dr. Anja Adler

Äußere Strukturen, die uns Menschen viel Sicherheit geben, lösen sich durch digitale Dynamiken wie Dezentralisierung und Automatisierung zunehmend auf. Die Welt wird dynamischer und komplexer. Menschen, die sich hauptberuflich oder ehrenamtlich den globalen Herausforderungen unserer Zeit annehmen, brauchen in Folge ein besonderes Maß an innerer Stabilität. Gerade diese Zielgruppe, die sich für eine gesündere, nachhaltige und solidarische Zukunft einsetzt, läuft jedoch oft Gefahr, ihre eigene Gesundheit zu vernachlässigen. Dies zeigen mehrere Studien, die von hohen Burnout-Raten, Depression sowie prekären Lebensverhältnissen und Altersarmut sprechen. Neben der finanziellen und strukturellen Ausstattung sozialen Wirkens ist deshalb die Stärkung innerer Kompetenzen dieser Menschen ein wichtiger Hebel der Prävention.

Seit einem Jahr sammelt das betterplace well:being-Programm hier wertvolle Erfahrungen zur Gesundheitsvorsorge in neuen und alten Arbeitsumgebungen. Auf Basis aktueller Erkenntnisse der arbeitspsychologischen Forschung trainieren Teilnehmende in fünf aufeinander aufbauenden, kostenfreien Einsteiger*innen-Workshops Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Körperwahrnehmung und Empathie.

In diesem Impuls stellen wir die Evaluationsergebnisse aus den über 30 Workshops vor. Darüber hinaus reflektieren wir unsere Zusammenarbeit mit den drei fördernden Betriebskrankenkassen BKK VBU, Salus BKK und pronova BKK, auf dem gemeinsamen Weg neuen Zielgruppen betriebliche Gesundheitsvorsorge nahe zu bringen.

Inklusive BGF für Menschen mit Behinderung

Mag.a Karina Lattner

Hintergrund und Ziel:
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist ein etabliertes Konzept, um die Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern. Aufgrund zu hoher Zugangsbarrieren waren bis jetzt Menschen mit (vor allem kognitiver) Behinderung weitgehend von BGF-Prozessen ausgeschlossen. (Zum Beispiel durch zu komplexe Fragebögen oder fehlende Themenbereiche, die für Menschen mit Behinderung wichtig sind.)

Aus diesem Grund wurde im Februar 2018 das 2,5 Jahre dauernde Projekt „Gesundheit inklusiv“ ins Leben gerufen.
Ziel des Projekts war es, inklusive BGF-Prozesse für Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen. Dafür war es notwendig, den bisherigen BGF-Prozessablauf zu erweitern und die Methoden, Instrumente und Rahmenbedingungen an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung anzupassen.

Die Erprobung der entwickelten Instrumente, Methoden sowie des an die Zielgruppe angepassten und erweiterten Prozessablaufes erfolgte im Rahmen partizipativer BGF-Prozesse in 4 Pilotbetrieben in Oberösterreich, davon ein inklusiver Betrieb am 1. Arbeitsmarkt und drei Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen:
Durch die Anpassung der Rahmenbedingungen, Prozessabläufe, Methoden, Instrumente und Kommunikationsformen an die Anforderungen von Menschen mit Behinderung ist es gelungen, diese gleichberechtigt und in vollem Umfang in BGF-Prozesse miteinzubeziehen.

Im Sinne der Nachhaltigkeit wurde im Projektverlauf ein Leitfaden in leichter Sprache erstellt. Dieser beinhaltet alle Ergebnisse und soll ermöglichen, dass in allen inklusiven Betrieben und Werkstätten für Menschen mit Behinderung ein inklusiver Prozess zur Betrieblichen Gesundheitsförderung mit Menschen mit Behinderung durchgeführt werden kann.

Der Leitfaden sowie alle entwickelten Instrumente, Methoden, Dokumente und Tools werden als Download frei zur Verfügung gestellt: https://www.ki-i.at/gesundheit-inklusiv

Aus dem Ideenlabor: Wie BGF frauenspezifisch werden kann

Birgit Pichler, Alexandra Münch-Beurle

Frauen und Männer sind offiziell gleichgestellt, doch ihre Arbeitswelten unterscheiden sich in vielen Facetten. Gesundheitliche Belastungen aus dem privaten und dem beruflichen Umfeld treffen verstärkt Frauen: Prekäre Arbeitsverhältnisse, Doppelbelastung durch „Care-Arbeit“, geringere Aufstiegschancen, Niedriglöhne und psychische Belastungen im Dienstleistungsbereich, sexuelle Übergriffe im Beruf, um nur einige zu nennen.

Zielgruppenorientierung und Gendergerechtigkeit sind gängige Qualitätsmerkmale in der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Der Weg in die konkrete Planung von frauenspezifischer BGF ist aber weniger eindeutig. Ein hohes Maß an Reflexion und Problembewusstsein aller beteiligten Akteur*innen ist notwendig. Mitunter gilt es mit Widerständen umzugehen. Ziel eines Pilotprojektes des Wiener Büros für Frauengesundheit und des Frauengesundheitszentrums FEM Süd war es Methoden zu entwickeln und zu erproben, wie frauenspezifische BGF Projekte erarbeitet werden können.

Wie kann der Einstieg ins Thema gelingen? Es werden Ansätze präsentiert wie im Team mit Personalverantwortlichen Frauengesundheitsförderung erarbeitet werden kann. Welche Ansätze haben sich bewährt um den Faktor Geschlecht im Haus des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu verankern? Möglichkeiten zur Stärkung von Umsetzer*innen, auch im Umgang mit Widerstand gegenüber gendersensiblen BGF-Projekten, werden aufgezeigt. Beispiele der Umsetzung von frauenspezifischen BGF-Maßnahmen werden präsentiert.

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für frauengerechte Gesundheitsförderung im Betrieb. So vielfältig und individuell die Menschen und Betriebe sind, so reichhaltig sind die Ansatzpunkte. Personalverantwortliche müssen mit ihren persönlichen Erfahrungen und Kompetenzen abgeholt werden. Mit der „Genderbrille“ kann ein erkenntnisreicher, kreativer wie produktiver Prozess gelingen.