Fachforen – Freitag, 25. März 2022

10:45 – 12:00

PARALLELE FACHFOREN | Session 2

FF 2.3

Aktivieren, beruhigen, enthemmen? – Doping und Sucht in einer dynamischen Arbeitswelt

Selbstoptimierung – Hirndoping in der Arbeitswelt    

Prof. Dr. Frauke Jahn 

Wir gehen doppelt so schnell wie früher. Wir schlafen kürzer und nehmen uns weniger Zeit zum Essen. Während der Arbeit und verstärkt durch die Digitalisierung versuchen wir viele Dinge gleichzeitig zu erledigen, werden häufig unterbrochen und fühlen uns starkem Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt. Power Naps, drei Nachrichten-Messenger parallel und Quick-Workouts beschleunigen unser Privatleben. Um die vielfältigen Anforderungen besser bewältigen zu können, greifen einige zu mehr als Kaffee, Alkohol und Nikotin.

Unter Hirndoping (auch Neuroenhancement genannt) wird allgemein die Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten oder illegalen Substanzen (sogenannten Neuroenhancern) verstanden, um die eigene Leistung zu steigern, wacher zu sein, Ängste zu reduzieren oder die Stimmung aufzuhellen.

Studien zeigen, dass die gewünschte Wirkung von Neuroenhancern auf Gesunde stark überschätzt und die unerwünschten Nebenwirkungen oft vernachlässigt werden. Neuroenhancement wird hier vorgestellt, um für die Gefahren und Fehleinschätzungen im Zusammenhang mit Neuroenhancement zu sensibilisieren und einer steigenden Akzeptanz und Einnahme von Neuroenhancern in der Arbeitswelt präventiv entgegenzuwirken.   

Betriebliche Alkoholprävention in einer dynamischen Arbeitswelt

Martin Block

Fakten
Viele Menschen in Österreich trinken Alkohol. Für die meisten ist der Konsum ein Genuss, für einige ein Problem. 1 Million Österreicher*innen haben ein problematisches Trinkverhalten und 5 % der erwachsenen Bevölkerung werden als alkoholabhängig eingestuft. Dabei sind mehr als sechzig Krankheiten nachweislich mit regelmäßig erhöhtem Alkoholkonsum assoziiert. Übermäßiger und gesundheitsgefährdender Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln beeinflusst die Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsleistung der Mitarbeiter*innen.

Spitzt sich das Problem durch die Pandemie zu?
Mittel- und langfristige Folgen der Pandemie auf den Alkoholkonsum lassen sich bisher nur abschätzen. Einen Anstieg der psychischen Erkrankungen und der dadurch bedingten Fehlzeiten können wir jedoch bereits beobachten. Unterschiedliche Personengruppen sind dabei in sehr unterschiedlichem Maße belastet und betroffen.

Exkurs
Psychische Erkrankungen und problematischer Alkoholkonsum stehen in einer engen Beziehung zueinander. Personen mit affektiven Störungen (z.B. Depressionen oder Angsterkrankungen) erleben vermehrt Belastungen und negative Emotionen. Alkohol wird hierbei häufig zur Selbstmedikation und Bewältigung eingesetzt.

Betriebliche Alkoholprävention in einer dynamischen Arbeitswelt
Wo können wir ansetzen, welche Möglichkeiten gibt es und wie forciert die österreichische Sozialversicherung Betriebliche Alkoholprävention in einer dynamischen Arbeitswelt? Im Rahmen dieses Fachforums sollen Antworten gegeben und länderübergreifend diskutiert werden.