15:15 – 16:30
PARALLELE FACHFOREN | Session 1
FF1.2
Moderation: Anja Mücklich, DGUV Akademie, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
Anja Mücklich, DGUV Akademie, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
Abstract: Einstellungen und Werte im Bereich der betrieblichen Suchtprävention sind Teil der Präventionskultur für Sicherheit und Gesundheit eines Unternehmens. Die „Kulturdialoge: Prävention“ der DGUV bieten ein dialogorientiertes Instrument, um diese Einstellungen aufzudecken und Veränderungen anzustoßen. Mit dem themenspezifischen Kartensatz zur Suchtprävention wird gezielt das Gespräch über den Umgang mit Suchtmittelkonsum oder -Verhalten, frühen Signalen und die Gestaltung sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen gesucht. Die Dialogkarten regen dazu an, konkrete Situationen auf den fünf Stufen der Präventionskultur zu besprechen. Handlungsbedarfe können erkannt und praxisnahe Verbesserungen entwickelt werden. Gerade bei Suchtprävention, einem oft tabuisierten Thema, schafft das Vorgehen einen geschützten Rahmen, um einen lösungsorientierten Austausch zu ermöglichen. Aus dem schwierigen Thema Sucht wird so ein gemeinsames Anliegen, das Offenheit, Beteiligung und nachhaltige Veränderung fördert.
Anne Graber, Blaues Kreuz
Abstract: Prävention entfaltet ihre Wirkung, wenn sie im Alltag verankert ist und Menschen miteinander ins Gespräch bringt – auch im beruflichen Umfeld. Schweizer Suchtfachstellen setzen gemeinsam Impulse, um das häufig tabuisierte Thema Sucht am Arbeitsplatz sichtbar zu machen. Durch Kooperation, Austausch und gemeinsame nationale Kampagnen, die Gespräche öffnen und Bewusstsein schaffen, werden Netzwerke sinnvoll genutzt. Das Blaue Kreuz ergänzt diese Aktivitäten mit dem Angebot „Alkohol am Arbeitsplatz“, das Betriebe auf ihrem Weg zu einer unterstützenden und verantwortungsvollen Kultur begleitet. Mit dem Dry January 2026® und der neuen Workplace Challenge entsteht darüber hinaus ein gemeinsames BGM-Erlebnis. Dieses zeigt, wie Prävention motivierend, partizipativ und alltagsnah für Unternehmen und Mitarbeitende gestaltet werden kann.
Oliver Scheibenbogen, Anton-Proksch-Institut, Siegmund Freud Privatuniversität Wien
Abstract: Nicht jede exzessive Verhaltensweise ist gleich Suchtverhalten. Das akzeptable Ausmaß der Nutzung neuer Medien unterliegt gesellschaftlichen Konventionen – ein kultureller Wandel, der nicht neu ist: Zur Zeit Goethes galt das Bücherlesen als süchtiges Verhalten. Leitstrukturen für den Umgang mit digitalen Endgeräten fehlen häufig in der Freizeit und am Arbeitsplatz, mit Folgen wie fehlender Arbeitsergonomie z.B. im Home Office, riskantes Nutzungsverhalten durch Ablenkung und Techno-Stress. Ob Smart Natives durch ihre frühe Internetnutzung geschützt oder gefährdet sind, ist ungeklärt. Die vielfältigen Smartphone-Funktionen („Schweizer Taschenmesser“) erschweren Diagnostik und Therapie exzessiven Gebrauchs. Junge Menschen sind entwicklungsbedingt besonders vulnerabel für negative Auswirkungen des Smartphonekonsums und bedürfen besonderen Schutzes. Im schulischen Kontext wird ein erweitertes Smartphoneverbot diskutiert. Der Vortrag behandelt Epidemiologie, Diagnostik und Maßnahmen zur Förderung eines risikoarmen Gebrauchs mit Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche.