Dreiländertagung 2026

Fachforen – Donnerstag, 12. März 2026

11:00 – 12:15

PARALLELE FACHFOREN | Session 2

FF2.5

Arbeit als sozialer Ort

Moderation: Tanja Iff, Bundesamt für Gesundheit

Einsamkeit in der Arbeitswelt

Susanne Wilhelmi, BKK Dachverband e.V. 

Abstract: Einsamkeit am Arbeitsplatz nimmt in flexiblen, hybriden Arbeitsformen zu und kann soziale Isolation verstärken. Chronische Einsamkeit schwächt Zusammenhalt, senkt prosoziales Verhalten/Engagement, erhöht Folgekosten und geht mit körperlichen, psychischen und psychosozialen Risiken einher. Auf Grundlage quantitativer Befragungen, qualitativer Interviews und Wissenstransfer und mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. (ISS) werden Ausmaß, Kontexte und Schutzfaktoren von Einsamkeit im Arbeitskontext analysiert. Die Ergebnisse werden praxisnah aufbereitet und im Rahmen einer Kampagne im ersten Quartal 2026 sowie einer begleitenden Broschüre im Jahresverlauf zugänglich gemacht. Der Fokus liegt auf Verhältnisprävention (Gestaltung von Arbeitsbedingungen, organisationalen Strukturen und Zusammenarbeit). Die Broschüre bündelt konkrete Präventionshebel, Checklisten und Beispiele guter Praxis, etwa für Führung, Onboarding und hybride Teamroutinen, ergänzt durch Kommunikationsbausteine zur Sensibilisierung und frühen Erkennung von Einsamkeit.

EU-CoWork: Mitfühlende Arbeitswelten bei Verlust, Sterben, Tod und Trauer fördern

Klaus Wegleitner und Kristina Kreimer, Zentrum für Interdisziplinäre Alterns- und Care-Forschung (CIRAC), Universität Graz

Abstract: Existenzielle Erfahrungen wie schwere Krankheit, Sorgearbeit, Tod und Trauer sind Teil menschlicher Lebensrealität und machen auch am Arbeitsplatz nicht Halt, erhalten jedoch zu wenig expliziten Raum. Der Umgang damit wird von Unsicherheit und individueller Aushandlung geprägt; er variiert in Abhängigkeit organisationaler Kulturen und Praxen sowie länderspezifischer, struktureller und rechtlichen Bedingungen. Wie können Mitarbeitende in diesen Situationen unterstützt werden und Organisationen strukturelle Umgänge etablieren?
Dieser Beitrag untersucht diese Fragen basierend auf qualitativen und quantitativen Erhebungen an insgesamt zwölf Arbeitsplätzen in Belgien, Griechenland, Schweden und Österreich. Partizipativ werden Ansätze erprobt und evaluiert, um Mitarbeitende im Umgang mit diesen Erfahrungen zu stärken. Der Bedarf einer stärkeren Berücksichtigung existentieller Themen in der betrieblichen Gesundheitsförderung wird deutlich.

Erste Hilfe für psychische Gesundheit

Dalit Jäckel-Lang, Pro Mente Sana

Abstract: In jedem Betrieb arbeiten Personen mit psychischen Problemen – dennoch verfügen die meisten Menschen nur über geringe Kenntnisse in dem Bereich und trauen sich nicht, Mitarbeitende darauf anzusprechen. Deshalb wurde in Australien vor 25 Jahren ein Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit entwickelt. Das australische Programm „Mental Health First Aid“ wurde in Deutschland als „MHFA-Ersthelfer“ vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, in Österreich als „Erste Hilfe für die Seele“ von der pro mente Austria und in der Schweiz als „ensa Erste Hilfe für psychische Gesundheit“ von der Stiftung Pro Mente Sana in die DACH-Länder aufgenommen. Die Kurse werden von Firmen, Schulen und Privatpersonen in Anspruch genommen und vermitteln Laien Basiswissen über psychische Erkrankungen. Teilnehmende lernen, psychische Probleme bei Menschen in ihrem Umfeld zu erkennen. Praxisnah werden die fünf Schritte der Ersten Hilfe geübt. Die internationale Forschung zum Programm zeigt dessen Wirkung in zahlreichen wissenschaftlichen Studien deutlich auf.