Fachforen – Dienstag, 25. April 2023

15:15 – 16:30

PARALLELE FACHFOREN | Session 1

FF 1.1

Gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeit 4.0

Moderation: Ina Rossmann-Freisling, Fonds Gesundes Österreich

New Work und Betriebliches Gesundheitsmanagement: Entwicklungslinien für die Zukunft

Dominik Fässler (MA Sozialwissenschaften)

Abstract: Die sich rasch wandelnde Arbeitswelt stellt das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) vor neue Herausforderungen. Homeoffice, agiles Arbeiten, veränderte Führungsverständnisse oder digitale Gesundheitsapps sind nur einige Entwicklungen, welche die Ressourcen und die Belastungen der Erwerbstätigen in neuartiger Weise beeinflussen.

In vielen Organisationen sieht sich das BGM vor der komplexen Aufgabe, rasch auf diese Veränderungen, sprich New Work, und deren gesundheitliche Auswirkungen zu reagieren. Es fehlt dafür aber oft an Orientierung, sowohl in Bezug auf Veränderungen in der Arbeitswelt als auch in Hinblick auf deren Auswirkungen auf die Gesundheit.

Gesundheitsförderung Schweiz will mit dem 2019 lancierten Projekt „New Work und BGM“ zu dieser Orientierung beitragen. Ziel des Projektes ist es, BGM Fachpersonen aus Organisationen und BGM Beratenden Wissen über aktuelle und zukünftige Entwicklungen an die Hand zu geben und geeignete BGM-Weiterentwicklungen zu empfehlen. Dabei wird der Fokus auf psychische Gesundheit gelegt. Das Projekt hat eine Laufzeit bis 2023, präsentiert werden Zwischenergebnisse, Herausforderungen und das Projektkonzept.
Bis dato wurden neben wissenschaftlichen Recherchen Fokusgruppen mit über 35 Organisationen aus Praxis und Wissenschaft durchgeführt.

In Synthese aus diesen Quellen konnten über 20 Empfehlungen für die Weiterentwicklung des BGMs erarbeitet werden. Die Empfehlungen gliedern sich in die Themen:

1. Führung
2. Beziehungen
3. Kompetenzentwicklung
4. Arbeitsprozesse
5. Daten

Neue Perspektiven für Prävention und Gesundheitsförderung durch Arbeit 4.0

Prof. Dr. habil. Arjan Kozica und Madlen Krüger, M.A. 

Abstract: Technologische und gesellschaftliche Entwicklungen, wie die digitale Transformation, der demographische Wandel oder die zunehmende Individualisierung, verändern die Arbeitswelten. Miteinher gehen gesundheitliche Risiken, die der Aufmerksamkeit bedürfen. Die vorgestellte Studie aus dem iga.Report 44 unterstützt Beratende dabei, die verschiedenen Konzepte und die richtigen Ansatzpunkte für Sicherheit und Gesundheit in neuen Arbeitswelten kennenzulernen und so Risiken gezielt zu adressieren.

Dieser Input stellt die agile Organisation, die Soziokratie und die Holokratie, sowie die evolutionäre Organisation vor. Gemein ist diesen Konzepten die Betonung von Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Beschäftigten, die Abflachung von Hierarchien, die stärkere Sinnorientierung und Flexibilität sowie die umfassendere Integration von Leistungspotentialen der Beschäftigten. Bezogen auf diese Konzepte werden drei Ansatzpunkte für die Präventionsarbeit und die BGF ausgearbeitet: Erstens bieten die Merkmale neuer Formen der Arbeitsorganisation Anknüpfungspunkte für die Präventionsarbeit und die BGF. Zentraler Gedanke ist es, die (Gesundheits-)Kompetenzen der Beschäftigten zu entwickeln. Die steigende Selbstverantwortung führt dazu, dass gesundheitliche Themen zunehmend eigenverantwortlich wahrgenommen werden, wofür entsprechende Kompetenzen erforderlich sind. Zweitens ergibt sich ein Ansatz für die Präventionsarbeit und die BGF aus den Veränderungsprozessen im Zuge der Umgestaltung von Arbeitsorganisationen. Gesundheitliche Belastungen sind in Phasen der Veränderung besonders hoch und Präventionsthemen müssen dann entsprechend direkt eingebracht werden. Drittens müssen sich Beratende für Prävention und BGF in den neuen Formen von Arbeitsorganisation zurechtfinden und wissen, wie sie Gesundheitsthemen gezielt einbringen können. Dies gelingt vor allem dann, wenn sich diese Fachleute selbst agile Arbeitsmethoden aneignen.

BGF in der Arbeitswelt 4.0 – Ergebnisse der externen Evaluation des FGÖ-BGF-Projektcalls

Mag. Ludwig Grillich

Abstract: Die Arbeitswelt befindet sich zunehmend im Wandel, der durch eine Reihe von Merkmalen charakterisiert ist, wie beispielsweise dem vermehrten Einsatz digitaler Technologien bzw. der Digitalisierung der Arbeitswelt. Dies führt auch zu veränderten Normen und Verhältnissen im Arbeitsleben.

Bedingt durch diese Veränderungen sind unter dem Schlagwort „Arbeit 4.0“ neue sektorenübergreifende Veränderungen der Arbeitsformen bzw. -verhältnisse und ihre Auswirkungen auf Gesundheit bzw. Wohlbefinden am Arbeitsplatz in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) spielt eine entscheidende Rolle dabei, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Unternehmen auf diese Herausforderungen vorzubereiten.

Der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) stellte 2018 das Thema „BGF in der Arbeitswelt 4.0: Digitalisierung, Gesundheitskompetenz und faire Gesundheitschancen“ erstmals mit einem Projektcall in den Fokus der Projektförderung. Insgesamt wurden 20 Projekte in Betrieben unterschiedlicher Branchen und Größen gefördert. Die Umsetzung wurde vom Zentrum für Evaluation der Donau-Universität Krems begleitend dokumentiert und übergreifend evaluiert.

Der Vortrag stellt die zentralen Evaluationsergebnisse vor, nennt die mit der Digitalisierung verbundenen Chancen und Herausforderungen und berichtet über Ansätze guter Praxis auf dem Weg zu einer gesunden Arbeit 4.0.