Fachforen – Donnerstag, 24. März 2022

15:15 – 16:30

PARALLELE FACHFOREN | Session 1

FF 1.1

Gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeit 4.0

New Work und Betriebliches Gesundheitsmanagement: Entwicklungslinien für die Zukunft

Dominik Fässler (MA Sozialwissenschaften)

Abstract: Die sich rasch wandelnde Arbeitswelt stellt das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) vor neue Herausforderungen. Homeoffice, agiles Arbeiten, veränderte Führungsverständnisse oder digitale Gesundheitsapps sind nur einige Entwicklungen, welche die Ressourcen und die Belastungen der Erwerbstätigen in neuartiger Weise beeinflussen.

In vielen Organisationen sieht sich das BGM vor der komplexen Aufgabe, rasch auf diese Veränderungen, sprich New Work, und deren gesundheitliche Auswirkungen zu reagieren. Es fehlt dafür aber oft an Orientierung, sowohl in Bezug auf Veränderungen in der Arbeitswelt als auch in Hinblick auf deren Auswirkungen auf die Gesundheit.

Gesundheitsförderung Schweiz will mit dem 2019 lancierten Projekt „New Work und BGM“ zu dieser Orientierung beitragen. Ziel des Projektes ist es, BGM Fachpersonen aus Organisationen und BGM Beratenden Wissen über aktuelle und zukünftige Entwicklungen an die Hand zu geben und geeignete BGM-Weiterentwicklungen zu empfehlen. Dabei wird der Fokus auf psychische Gesundheit und systematisches BGM gelegt. Das Projekt hat eine Laufzeit bis 2023, präsentiert werden Zwischenergebnisse und das Projektkonzept.

Bis dato wurden neben wissenschaftlichen Recherchen Fokusgruppen mit über 35 Organisationen aus Praxis und Wissenschaft durchgeführt.

In Synthese aus diesen Quellen konnten 20 Handlungsfelder für das BGM der Zukunft erarbeitet werden. Sie gliedern sich auf in die Themen Digitalisierung, neue (agile) Arbeitsformen, Plattformökonomie sowie Daten. Darauf aufbauend wurden fünf zentrale Themen identifiziert, in welchen Empfehlungen für künftige BGM-Weiterentwicklungen ausgearbeitet werden:

1. Führung und Entscheidungsprozesse
2. Social Health
3. Kompetenzentwicklung für neue Arbeitswelten
4. Gestaltung Arbeitsprozesse und Work Worker Fit
5. Daten und BGM.

Die Resultate des Projektes zeigen Entwicklungslinien fürs BGM der Zukunft auf und sollen die Grundlage für Empfehlungen für konkrete BGM-Weiterentwicklungen bieten. 

Neue Perspektiven für Prävention und Gesundheitsförderung durch Arbeit 4.0

Prof. Dr. habil. Arjan Kozica und Madlen Müller, M.A. 

Technologische und gesellschaftliche Entwicklungen, wie die digitale Transformation, der demographische Wandel oder die zunehmende Individualisierung, verändern die Arbeitswelten. Miteinher gehen gesundheitliche Risiken, die der Aufmerksamkeit bedürfen. Die vorgestellte Studie aus dem iga.Report 44 unterstützt Beratende dabei, die verschiedenen Konzepte und die richtigen Ansatzpunkte für Sicherheit und Gesundheit in neuen Arbeitswelten kennenzulernen und so Risiken gezielt zu adressieren.

Dieser Input stellt die agile Organisation, die Soziokratie und die Holokratie, sowie die evolutionäre Organisation vor. Gemein ist diesen Konzepten die Betonung von Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Beschäftigten, die Abflachung von Hierarchien, die stärkere Sinnorientierung und Flexibilität sowie die umfassendere Integration von Leistungspotentialen der Beschäftigten. Bezogen auf diese Konzepte werden drei Ansatzpunkte für die Präventionsarbeit und die BGF ausgearbeitet: Erstens bieten die Merkmale neuer Formen der Arbeitsorganisation Anknüpfungspunkte für die Präventionsarbeit und die BGF. Zentraler Gedanke ist es, die (Gesundheits-)Kompetenzen der Beschäftigten zu entwickeln. Die steigende Selbstverantwortung führt dazu, dass gesundheitliche Themen zunehmend eigenverantwortlich wahrgenommen werden, wofür entsprechende Kompetenzen erforderlich sind. Zweitens ergibt sich ein Ansatz für die Präventionsarbeit und die BGF aus den Veränderungsprozessen im Zuge der Umgestaltung von Arbeitsorganisationen. Gesundheitliche Belastungen sind in Phasen der Veränderung besonders hoch und Präventionsthemen müssen dann entsprechend direkt eingebracht werden. Drittens müssen sich Beratende für Prävention und BGF in den neuen Formen von Arbeitsorganisation zurechtfinden und wissen, wie sie Gesundheitsthemen gezielt einbringen können. Dies gelingt vor allem dann, wenn sich diese Fachleute selbst agile Arbeitsmethoden aneignen.

BGF 4.0 – Digitalisierung und faire Gesundheitschancen

Mag.a Helga Pesserer, CMC

Abstract: Bedingt durch den Wandel in der Arbeits­welt sind unter dem Schlagwort „Arbeit 4.0“ Veränderungen der Arbeitsformen und -verhältnisse (techni­scher Fortschritt, Flexibilisierung etc.) und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbe­finden am Arbeitsplatz in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Die Corona-Pandemie hat viele dieser Arbeitsformen einem harten Praxistest unterzogen und dadurch einen völlig neuen Stellenwert gegeben. Mit dem Projektcall „BGF 4.0 – Digitalisierung und gesundheitliche Chancengerechtigkeit“ stellte der Fonds Gesundes Österreich bereits 2018 die Frage nach der zukünftigen Entwicklung von Betrieblicher Gesundheitsförderung. Um zur Nachhaltigkeit des Themas in Betrieben beizutragen, wurden 2019 österreichweit 20 BGF-Nachhaltigkeitsprojekte unterschiedlicher Branchen und Betriebsgrößen mit inhaltlichem Fokus auf Digitalisierung und Chancengerechtigkeit gefördert. Die Projekte wurden extern fachlich begleitet und projektübergreifend evaluiert. Der Beitrag im Fachforum 1.1. gibt einen kompakten Überblick zu den Hauptergebnissen und Projekterfahrungen. Vertiefend regen das Praxisbuch „Betriebliche Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt 4.0 – Digitalisierung und faire Gesundheitschancen“, sowie das Factsheet „Betriebliche Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt 4.0. – Hauptergebnisse und Handlungsempfehlungen“, herausgegeben vom Fonds Gesundes Österreich im Jahr 2020, zur Diskussion und zur Weiterentwicklung der Betrieblichen Gesundheitsförderung an.