Fachforen – Donnerstag, 24. März 2022

15:15 – 16:30

 

PARALLELE FACHFOREN | Session 1

FF 1.4

Technologischer Fortschritt und Gesundheit: Innovative Praxis in Unternehmen

Reduktion akuter arbeitsbedingter körperlicher Belastung: Exoskelette in der Arbeitswelt – Hoffnung oder Illusion?

Dr. Kai Heinrich

Muskel-Skelett-Erkrankungen stehen nach wie vor an der Spitze der Ursachen für Arbeitsausfalltage. Der Beitrag arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Belastungen (MSB) lässt sich zwar nicht genau beziffern, ein kausaler Zusammenhang gilt jedoch als sicher. Vor diesem Hintergrund wird der Einsatz von Exoskeletten als mögliche Präventionsmaßnahme zunehmend diskutiert.

Um zur Beantwortung der Frage beizutragen, ob der Einsatz von Exoskeletten Hoffnung auf eine nachhaltige Reduzierung von MSB bietet, hat das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) verschiedene Studien zur Wirksamkeit von Exoskeletten durchgeführt.

Beim Einsatz von Exoskeletten wurde in zwei Studien eine Reduktion von Belastungsparametern bei statischen Armhaltungen in Form eines Anstiegs des sauerstoffhaltigen Hämoglobins und einer verringerten elektromyographischen Aktivität in den betroffenen Muskeln festgestellt. In weiteren Studien konnte ein Unterstützungseffekt von Exoskeletten im Hinblick auf ein reduziertes lumbales Drehmoment bei exoskelettspezifischen Tätigkeiten wie dem Heben und Absetzen von Lasten aus niedrigen Ausgangs- oder Absetzhöhen nachgewiesen werden. Verschiedene Laborstudien in der wissenschaftlichen Literatur haben zudem einzelne positive Effekte durch Exoskelette in spezifischen Belastungssituationen identifiziert.

Demnach scheint der Einsatz von Exoskeletten bei beruflichen Aufgaben die akute körperliche Belastung der Nutzer*Innen in der spezifischen Körperzielregion des Exoskeletts zu reduzieren. Ob diese Effekte jedoch ausreichen, um in der Praxis am Arbeitsplatz einen nachhaltigen Entlastungseffekt zu generieren, um MSB zu reduzieren bzw. deren Entstehung vorzubeugen, ist bisher weitgehend unbeantwortet. Daher sind die Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeitnehmer noch nicht bekannt, insbesondere weil Langzeitstudien unter realen Arbeitsbedingungen fehlen.

Digitale Ansätze zur Wissensvermittlung in der Reinigung 4.0

Stephanie Fröhlich (Bsc.)

Das Projekt besteht aus drei Teilprojekten. Diese haben das Ziel, unsere Mitarbeitenden auf dem Weg zu Reinigungskräften 4.0 zu begleiten und ihnen dabei mit unterschiedlichen Ansätzen die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln.

 

Es wurde eine partizipative Skelettanalyse mittels „Human Factors Aufnahmen“ produziert, die physiologische Bewegungsmuster abbildet und zur Wissensvermittlung hergenommen wird, um unseren Mitarbeitenden die Belastungen während ihrer Arbeit aufzuzeigen. Diese Aufnahmen werden im Rahmen von E-Learning Inhalten weiterverwendet, um eine örtlich und zeitlich flexible Wissensvermittlung zur Verfügung zu stellen. Die erarbeiteten Inhalte konzentrieren sich auf die Themen Anwendungstechnik in der Reinigung, Gesundheit und Ergonomie.

 

Ebenfalls dazu gehört die Weiterentwicklung eines innovativen Audio-Lern-Stifts (TipToi Stift von Ravensburger) mit der „OID-Technologie“, welcher ein analoges und zugleich digitales Lernen ermöglicht. Hierzu wurden unsere Reinigungshandbücher „Tägliche Unterhaltsreinigung“ und „Health & Care“ mit Unterstützung unserer Mitarbeitenden in verschiedene Sprachen übersetzt. Es werden die Werte von ISS, unser Farbensystem für die Reinigung als auch Arbeitssicherheit und Ergonomie thematisiert. Dieser Ansatz der spielerischen Wissensvermittlung mittels eines partizipativ erstellten digitalen Audio-Lern-Stifts ist für Personen, die neu in die Reinigungsbranche eintreten, eine geringe technische Affinität besitzen und an digitales Lernen langsam herangeführt werden müssen, geeignet. Es wird als Vorstufe zum eLearning gesehen und wird innerhalb von face-to-face Schulungen und/oder Teammeetings eingesetzt.

Mit Kundenfokus zu einem niederschwelligen BGM-Angebot für KMU.

Dr. Sven Göbel und Glenn Oberholzer

Ergebnisse einer Marktstudie zeigen, dass viele kleine Unternehmen sich grundsätzlich bewusst sind, dass das Wohlbefinden der Mitarbeitenden ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Viele Angebote in diesem Bereich sind jedoch nicht auf das Vorwissen und die Ressourcen von KMU ausgelegt. Vor allem für den Einstieg in das Thema Gesundheit im Betrieb fehlen geeignete und vor allem einfache Angebote. Aufbauend auf den Studienergebnissen wurde in Zusammenarbeit mit Vertretern aus der avisierten Zielgruppe ein Angebot entwickelt. Es ermöglicht den KMU über die Führungspersonen einen individuellen Einstieg, der ihre Bedürfnisse trifft und einen für sie akzeptablen Aufwand bedeutet. Im Rahmen der Präsentation wird der partizipative Entwicklungsprozess mit Kundenfokus, die Ergebnisse der Pilotevaluation sowie das niederschwellige Angebot vorgestellt.