Fachforen – Freitag, 25. März 2022

10:45 – 12:00

PARALLELE FACHFOREN | Session 2

FF 2.6

Gesunde Entscheidungen leicht gemacht:
verhaltensökonomische Ansätze

Den Weg für gesunde Entscheidungen bereiten – Nudging in der Arbeitswelt

Diana Eichhorn

Freie und rationale Entscheidungen zu treffen, diese Eigenschaft wird dem Menschen zugeschrieben. Verhaltensökonomische Studien zeigen jedoch, dass wir uns häufig nicht nur irrational, sondern auch entgegen den eigenen Interessen verhalten. Vor allem die vielen alltäglichen Entscheidungen werden häufig unbewusst oder nach simplen Faustregeln getroffen.

2008 veröffentlichten Richard H. Thaler und Cass R. Sunstein ihr Buch „Nudge: improving decisions about health, wealth, and happiness“. Sie beschreiben darin, wie Nudges (dt. sanfte Stupser), den Menschen helfen können, „bessere“ Entscheidungen zu treffen, ohne sie zu bevormunden. Dabei wird die Umgebung, in der eine Entscheidung getroffen wird, so gestaltet, dass die Wahl der erwünschten Option mit weniger Mühe verbunden ist und somit leichter fällt.

Da die Anwendung des Nudging-Ansatzes im Kontext von Prävention und betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) bislang begrenzt stattfindet, hat sich die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) dem Thema explorativ genähert und den Nudging-Ansatz auf das Handlungsfeld BGF übertragen. Ganz nach dem Motto „testing – learning – adapting – sharing“ soll zur kreativen Entwicklung von Nudges in der betrieblichen Gesundheitsförderung anregt werden.

Zielgruppenspezifische Kommunikationsmaßnahmen zur Bewegungssteigerung in der BGF

Dr. Isabell Koinig

Eine aktuelle Studie der WHO (2020) bestätigt, dass Dauersitzen – und damit einhergehend, ein akuter Bewegungsmangel – zum menschlichen Alltag gehören. Besonders COVID-19 hat diesen Trend weiter verstärkt. Da Bewegung aber zahlreiche positive Effekte nachgesagt werden, und der Arbeitsplatz vermehrt als Ort der Gesundheitsförderung anerkannt wird (Koinig & Diehl, 2021), gilt es, Beschäftigte mittels entsprechender kommunikativer Maßnahmen zur Bewegung zu motivieren.

Um die Effektivität von Gesundheitsbotschaften (inkl. Gesundheitskampagnen und -interventionen) zu erhöhen, gilt es, neben theoretischen Konstrukten (wie z.B. der Stärkung der Self-Efficacy oder Calls to Action; Baumann et al., 2014; Hastall, 2019) auch auf Spezifika der jeweiligen Zielgruppe(n) einzugehen (Cho, 2012). Im Rahmen des Input-Vortrags werden einige Strategien für zielgruppenspezifische Kommunikation vorgestellt und mit Hilfe von Beispielen näher beleuchtet. Die Maßnahmen umfassen u.a. Personalisierung (persönliche Ansprache der Zielgruppe), Targeting (zielgruppenrelevante Ansprache und Inhaltsaufbereitung), Tailoring (individuelle und „zugeschnittene“ Kombination aus Kommunikations- und Verhaltensänderungsstrategien), Gamification (Integration von spieltypischen Elementen in spielfremde Kontexte), Nudging („sanftes Anstubsen“; subtile Kommunikationsform; Kalch & Wagner, 2020).

Angewandte Verhaltenswissenschaft – Modelle und Beispiele für eine erfolgreiche Integration in der Praxis

Torben Emmerling

In den vergangenen 50 Jahren haben die Verhaltenswissenschaften Erkenntnisse über nachweisliche einfache und effiziente Verhaltensänderungen entwickelt, die neue Möglichkeiten für die betriebliche Gesundheitsförderung eröffnen. Während das Potential verhaltenswissenschaftlicher Ansätze heute weitgehend erkannt wird und zunehmend an Akzeptanz und Interesse gewinnen, stellt die erfolgreiche Integration von wissenschaftlichen Einsichten und Methoden (z.B. Nudging) im Organisationskontext für viele PraktikerInnen nach wie vor eine Herausforderung dar.

Dieser Fachforumsbeitrag widmet sich dem Transfer von der Theorie zur praktischen Anwendung und zeigt entlang eines erprobten Prozessmodells die wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Integration in Betrieben. Anhand von internationalen Beispielen wird die angewandte Verhaltenswissenschaft im Sinne einer Menschen-zentrierten und evidenz-basierten Gesundheitsförderung beleuchtet sowie ein Ausblick auf zukünftige Ansatzpunkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegeben.